Chinalink.de  Das Aristokratenreich 581 - 960   AnfangZurückVorGegenwart

Sui (581-618)

Der Beginn der Sui- Dynastie im Jahr 581 wird, weil der den Reichen nicht-chinesischer Herkunft in Nordchina ein Ende setzte und weil acht Jahre später die Wiedervereinigung aller chinesischen Länder auf ihn folgte, im allgemeinen als eines der großen Daten der Geschichte angesehen. Im Jahre 589 setzte Kaiser Wen der Sui, der als General Yang Jian einen erfolgreichen Staatsstreich geführt und die Sui- Dynastie gegründet hatte, der letzten der sechs Dynastien, dem Reich der Chen, ein Ende.

Unter der Herrschaft des Sui-Kaisers Wen begann der Bau großer Kanäle und riesiger Getreidespeicher in der Gegend von Luoyang und Chang'an. Im Nordwesten wurden im Jahr 585 große Mauern von 350 Kilometern Länge errichtet. Er begann auch eine große Kriegsflotte zu bauen, mit der sein Nachfolger, Kaiser Yang, Expeditionen nach Taiwan und zu den Ryûky? Inseln unternahm.Das erste Expeditionskorps zu Land und zur See gegen das Reich Koguryo in Korea, einen potentiellen Verbündeten der Türken, fand im Jahr 598 statt, 13 Jahre vor dem ersten großen Korea- Feldzug Yangdis.

Tang (618-907)

Li Yuan (565-635), der General, der mit der Verteidigung gegen die Nomaden in Taiyuan, im Zentrum von Shanxi, beauftragt war, rebellierte im Jahr 617 auf Anstiftung seines Sohnes Li Shimin (598-649), des zukünftigen Tang- Kaisers Taizong (reg. 626-649), verbündete sich mit den türkischen Stämmen und marschierte nach Chang'an, wo er die neue Dynastie der Tang gründete und sich zum Kaiser Gaozu (reg. 618-626) ausrufen lie? Nach der anfänglichen Konsolidierung der Macht und Niederschlagung einzelner Aufstände begann zwischen 626 und 683 eine der größten militärischen Expansionen der chinesischen Geschichte. In mehreren Kriegen und Gefechten gegen türkische Stämme gelang es den Chinesen, die für den Außenhandel überaus wichtigen Oasenstraßen zu öffnen und zu kontrollieren. Darüber hinaus profitierten die Tang von den Kanälen, die unter der Sui- Dynastie begonnen worden waren: Ein Schiffahrtsnetz, das die Kommunikation und den Warenaustausch zwischen Norden und Süden erheblich vereinfachte und neben dem parallel ein Netz von kaiserlichen Straßen verlief.

Das Ansehen der Tang in Asien erreichte damit seinen Höhepunkt: mehrere Länder Südostasiens, wie das Reich Huanwang (Champa) und Zhenla (Kambodscha) erkannten die chinesische Oberhoheit an. In Korea wurde das Reich Koguryo zerstört und Silla unterworfen. Luoyang, Chang'an und Yangzhou, die großen Städte der Sui- und Tang- Zeit waren nach einem schachbrettartigen Muster angelegt und mit starken Befestigungsmauern umgeben.

Die beherrschende Gestalt im ausgehenden 7. Jh. und in den ersten Jahren des 8. Jh. war Wu Zhao (624-705), eine ehemalige Konkubine der Kaiser Taizong (629-649) und Gaozong (649-683). Vom Jahr 654 an war ihr Einflu?sehr stark, und im Jahr darauf wurde sie zur Ersten Gattin des Kaisers; de facto herrschte sie nach dem Tod Gaozongs im Jahr 683. Nachdem sie den legitimen Erben von der Macht ausgeschlossen hatte, nahm sie im Jahr 690 den Kaisertitel Zetian an und gründete die Zhou- Dynastie, deren einziger Herrscher sie bleiben sollte; sie war der erste und einzige weibliche Kaiser in der Geschichte Chinas. Dieses Zwischenspiel von fünfzehn Jahren kann nur durch die politische Gesellschaft der Zeit und den entscheidenden Einflu?des Buddhismus eine Erklärung finden. Sobald die Kaiserin Wu Einfu?auf die Regierung auszuüben vermochte, waren alle ihre Bestrebungen darauf gerichtet, die Vertreter der nordwestlichen Aristokratie, die seit Beginn der Dynastie alle leitenden Ämter gesetzt hielten und insbesondere mittels der Kaiserlichen Kanzlei (menxiasheng) die Staatsführung kontrollierten, von der Macht zu entfernen. Gleich nach dem Tod Gaozongs im Jahr 684 lie?Zetian mehrere hundert dieser Aristokraten und zahlreiche Mitglieder der Kaiserfamilie Li hinrichten. Sie verlegte den Hauptsitz des Hofes von Chang'an nach Luoyang und entging so der Kontrolle der großen Familien. Aber sie wünschte darüber hinaus die Bildung einer neuen Klasse von Verwaltungsbeamten zu fördern, die durch Examina rekrutiert wurden. Es ist bemerkenswert, da?die Prüfungen, die unter der Han- Dynastie für die Rekrutierung und Beförderung der Beamten nur einer Nebenrolle gespielt hatten, erst vom Jahr 699 an eine systematische Organisation erhielten. Dieser Institution, die in der chinesischen Welt einen so bedeutenden Einflu?haben sollte, war anfänglich eine politische Waffe in den Händen der Kaisern Wu Zetian. Als sie im Jahr 690 den Kaisertitel annahm, änderte sie die gesamte offizielle Nomenklatur und den Verwaltungsaufbau, wobei sie - wie nahezu sehen Jahrhunderte vor ihr der Usurpator Wang Mang - den suspekten Klassiker, das Zhouli, als Vorbild ansah. Sie änderte auch Ortsnamen und erfand neunzehn neue Schriftzeichen, deren Gebrauch als obligatorisch erklärt wurde.
Aber der erstaunliche Aufstieg Wu Zhaos und vor allem ihre Thronbesteigung lassen sich nicht erklären ohne die Hilfe und geheime Unterstützung der buddhistischen Kirche, die seit dem Beginn des 6. Jh. eine große politische und wirtschaftliche Mach darstellte. Buddhistische Weissagungen, die eigens für sie zurechtgeschmiedet worden waren, bezeichneten die ehemalige Konkubine von Taizong als künftigen Kaiser und als Reinkarnation des Bodhisattva Maitreya (Milefo), des rettenden Buddha, des Messias, in dessen Erwartung in der Vergangenheit schon mehrere chiliastische Sekten gelebt hatten. Sie selbst war nach dem Tod Taizongs im Jahr 650 in eine Nonnenkloster eingetreten. Sie war bigott und abergläubisch und Überhäufte die Kirche mit Gunstbezeigungen. Die Machtperiode Wu Zetians und die fünf Jahre, die auf die Restauration der Tang im Jahr 705 - als die Kaiserin Wei allmächtig war - folgten, war eine Zeit der Verschwendung und der allgemeinen Lockerung. Kaiserliche Prinzen und Prinzessinnen, hohe Beamte, Günstlinge und große Klöster bereicherten sich und vergrößerten ihren Grundbesitz. Die Kleinbauern, die im Besitz von Parzellen auf Lebenszeit waren, brachen unter der Last der Steuern und Lasten zusammen, und die Zahl der Pächter stieg an.

Die Jahre 710 - 755 war die Blütezeit der Tang- Geschichte. Zu dieser Zeit erreichte die Ausstrahlung Chinas in Asien ihren Höhepunkt. Die Hauptstadt Chang'an war das Zentrum einer kosmopolitischen Zivilisation, in der sich Einflüsse aus Zentralasien, Indien und dem Iran mischten. Die klassische Dichtkunst und die buddhistischen Studien erreichten eine nie dagewesene Blüte.
Nach und nach verfile das Agrarsystem immer mehr und die Macht der Militärbefehlshaber wuchs. Trotz ständig steigender Militärausgabenmußten die Tang dem Druck des tibeto-birmanischen Reichs von Nanzhao in Yuannan nachgebem und ihm 750 die Kontrolle der Straßen und Territorien im Südwesten überlassen. Auch in Turkestan erlitten die Truppen der Tang Niederlagen, die zu der Bildung eines uigurischen Reiches führte.

Seit Kaiser Xuanzong (reg. 712-756) in seinen letzten Jahren die Regierungsgeschäfte zugunsten seiner Konkubine Yang Yuhuan (Yang Guifei) vernachlässigt und damit eine Revolte ausgelöst hatte, ging es mit den Tang bergab.

Wu Dai Periode der fünf Dynastien (907-960)

Die Schwäche der Zentralregierung am Ende der Tang- Zeit begünstigte das Erwachen regionalistischer Tendenzen: Die aus den Militärbezirken hervorgegangen Reiche entsprachen meist großten natürlichen Regioennen. Das war der Fall beim Reich Shu in Sichuan, beim Reich der Südlichen Han in Kanton, beim Reich Min in Fujian, Chu in Hunan, Wu-Yue in Zhejiang usw. Ihre Unabhängigkeit erlaube es diesen Regionen, ihre natürliche Bestimmung zu behaupten, sich wirtschaftlich autonom zu entwickeln und Beziehungen nach außen zu knüpfen. Manche moderne Historiker haben im Aufstand der Brokathandwerker, der von Wang Xiaobo und Lu Shu von 993 bis 995 in Sichuan angeführt wurde, eine autonomistische Bewegung gesehen, die die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit Sichuans zum Ziel hatte, als diese Provinz von Song-Reich annektiert wurde; die aufständischen Handwerker waren von der Produktion der Brokatfabriken der Gegend von Kaifeng bedroht.

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Zuletzt geändert am 27. Nov 02 von Wolfgang Odendahl