Chinalink.de  Die Anfänge des zentralistischen Reichs  AnfangZurückVorGegenwart

Die Epoche der Kämpfenden Staaten, die vom Ende des 5. Jh. bis zur Einigung Chinas als Kaiserreich im Jahre 221 v.u.Z. dauerte, war eine außergewöhnliche Periode. Es gab einen Umbruch in der Gesellschaft, der Lebensweise, der Wirtschaft und des Denkens. Ausgangspunkt dieses Wandels war die Krise der Adelsgesellschaft und ihrer Institutionen und Anschauungen. Während der Epoche der "Streitenden Reiche" (Zhanguo) wurden die chinesischen Länder des ausgehenden Altertums durch Kriege zum zentralisierten Staat getrieben. Aus den sieben besonders mächtigen Staaten taten sich besonders zwei hervor: Yan in Hebei, dessen Hauptstadt in der Gegend des heutigen Beijing lag und Qin in Shânxi, das sich durch seinen Pferdereichtum und seine rauhen kriegerischen Sitten auszeichnete. Im Laufe der Zeit wurden die kleineren Fürstentümer - darunter auch das mächtige Chu - von den Siegern vereinnahmt.

Qin (221-206 v.u.Z.)

Aus den Kämpfen um Land und macht ging im Jahre 221 endgültig Fürst Zheng (259-210) von Qin an die Macht, der die chinesischen Länder militärisch einigte und das erste Kaiserreich der Geschichte gründete. Er nahm nach der Unterwerfung aller chinesischen Länder den Titel "erhabener Herrscher" (huangdi) an, der künftig zur normalen Bezeichnung aller chinesischen Kaiser wurde; er selbst ging unter dem Namen "der erste Kaiser" (Qin shi huangdi) in die chinesische Geschichte ein.
Qin Shihuang prägte einheitliche Münzen (runde Kupfermünzen mit einem quadratischen Loch in der Mitte), vereinheitlichte die Hohl- und Längenmaße, die Schrift, den Achsstand der Wagen und vieles mehr.

Die zur Gründung des Zentralstaates führende Reformbewegung ist nur eine von vielen Strömungen der Epoche der kämpfenden Staaten; sie kann daher nicht von den verschiedenen anderen Tendenzen dieser Periode, einer der reichsten der chinesischen Geistesgeschichte, getrennt werden. Die grundlegenden Institutionen des neuen Staates wurden jedoch von den "Legalisten" (fajia) erdacht. Das durch seine Lage im abgeschlossenen Wei-Becken ziemlich gut gegen äußere Angriffe geschützte Qin war ein armes, verhältnismäßig rückständiges Land, dessen Verwaltungskreise sich leicht durch Neulanderschließung vergrößern ließen und dessen Adel anscheinend wenig Macht besa? Die Theorien des größten Denkers des 3. Jh. v.u.Z., Han Feizi (280?-234) bildeten den philosophischen Hintergrund des neuen Reiches, aber im Zusammenhang mit den vorhergehenden Perioden gesehen, ist er ein Glied in der Kette der frühen Philosophen, zu denen Kongzi (Konfuzius; 551-479), Mengzi (Mencius; 2. Hälfte des 4. Jh.), Xunzi (ca. 298-235), Mozi (um 480-390) und andere gehören.
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Xi Han, westliche Han (206 v.u.Z.-24)

Im Laufe der vier Jahrhunderte der Han-Zeit fanden bedeutende Veränderungen auf allen Gebieten statt. Innerhalb des kontinuierlichen Verfallsprozesses, dem der vom ersten Qin-Kaiser geschaffene Zentralstaat Nach und nach war eine Klasse reicher Grundbesitzer entstanden, auf die sich die Herrschaft stützte, aber die Bauern wurden immer unzufriedener, was sich in großen daoistisch inspirierten Volksaufständen ausdrückte. zur Unzufriedenheit des Volkes gesellte sich der Ha?des alten Adels, der seine Rechte langsam verloren hatte und deportiert wurde (120.000 Familien wurden in die Umgebung der Hauptstadt umgesiedelt). Qin Shihuang versuchte mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln (inklusive einer "Bücherverbrennung", der alle Bücher zum Opfer fielen, die nicht medizinische oder landwirtschaftliche Abhandlungen oder Orakelbücher waren) seine Macht zu festigen, aber sein Despotentum fand immer mehr Opposition.

Die Autorität eines aus dem Volk stammenden kleinen Beamten namens Liu Bang wuchs ständig; er überschritt mit seinen Truppen im Jahre 207 v.u.Z. das Qingling-Gebirge und schlug die Qin im darauffolgenden Jahr im Wei-Tal vernichtend. Liu Bang legte sich 206 v.u.Z den Kaisertitel zu und machte Chang'an (das heutige Xi'an) zu seiner Hauptstadt.

Die früheren Han-Kaiser hatten die Mitwirkung der kaiserlichen Beamten, Minister und Ratgeber an der Regierung ermöglicht und damit ihre Macht gefestigt, aber unter der Herrschaft Wudis traten mehr und mehr autokratische Tendenzen in den Vordergrund. Im Jahre 80 v.u.Z. schwang sich General Huo Guang, der Nachlaßverwalter des mittlerweile verstorbenen Wudi, zum Diktator auf. Die tatsächliche Herrschaft lag jedoch bald in den Händen der Eunuchen und der Kaiserinnen.

zhong - Gefäß

Dong Han, östliche Han (25-200)

Bald nach dem Tod des Diktators Huo Guang besetzte Wang Mang den Kaiserthron. Er begründete eine neue Dynastie mit Namen "die Neue" (xin) und führte eine Reihe von Reformen ein, die aber an dem eigentlichen Problem der Landwirtschaftskrise, das immer drängender wurde, nichts ändern konnten. Bauernaufstände mehrten sich und die Rebellen konnten immer öfter wirksam gegen das Kaiserhaus Krieg führen. Im Jahre 23 v.u.Z. trugen diese Mächte in Verbindung mit den Intrigen des alten Adels, der unter Wang Mangs Reformen stark an Macht eingebüßt hatte, den Sieg davon.

Liu Xiu regierte unter dem Namen Guang Wudi von 25-57 v.u.Z. und es gelang ihm, die kaiserliche Macht erneut zu festigen. In den folgenden 2 Jahrhunderten entwickelte sich eine reiche Kultur auf philosophischem, literarischem und künstlerischem Gebiet. Das Han-Reich expandierte bis fast zur heutigen Ausdehnung und verstand es, die angrenzenden"Barbarenvölker" ruhig zu halten.

San Guo, Die Drei Reiche (220-280)

Die Han- Dynastie wurde erst im Jahre 220 gestürzt. In Wirklichkeit hatte jedoch seit Beginn des 3. Jahrhunderts Cao Cao im Wei-Tal und in der Nordchinesischen Tiefebene die Macht inne, so da?man den Anfang des Wei-Reiches auf 210 ansetzen könnte.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Cao Cao ganz Nordchina unter seiner Herrschaft geeint. Sein Machtstreben hatte ihn zur Eroberung des Yangzi-Tales getrieben, aber die berühmte Schlacht am Roten Felsen (chibi) im Jahre 208, hatte seine Expansionspolitik zum Stillstand gebracht. Die schwere Niederlage, die Cao Cao durch die verbündeten Truppen von Sun Quan (185-252) und Liu Bei (161-233) erleiden mußte, war das Vorspiel zur Aufteilung Chinas in die Drei Reiche (Sanguo).

Wei (220-265)

Die Politik Cao Caos stand in Einklang mit der Tendenz, die sich in intellektuellen Kreisen der ausgehenden Han-Zeit durchgesetzt hatte: sie war typisch legalistisch, das heißt faktisch eine Militärdiktatur. Cao Cao schuf neben zahlreichen Neuerungen im Verwaltungsapparat seines Staates das System der Agrarkolonien (tuntian), die er mit ausgedienten Söldnern und enteigneten Kleinbauern betrieb.

Ritualgefäß in Form eines TigersShu (221-263)

Ähnlich wie im Yangzi-Tal (s.unten) vollzog sich in Sichuan, einem reichen und verhältnismäßig isolierten Gebiet, eine Abspaltung von der Zentralmacht. Diese Entwicklung wurde durch das Ansehen Liu Beis und durch die politische und militärische Begabung seines Beraters Zhuge Liang (181-234) begünstigt.
Mit der Zeit entstand hier aber ein ebenso zentralistisch regierter Militärstaat, wie in Wei, der von legalistischen Beratern angeführt wurde.

 

Wu (222-280)

Die Unabhängigkeitsbestrebungen des chinesischen Kolonialgebietes des unteren Yangzi-Beckens unter der Führung der Sun, einfache Heerführer und Rivalen von Cao Cao, führte zur Verlegung der Hauptstadt nach Nanjing im Jahre 229. Seit dem Aufstand der "Gelben Turbane" hatten reiche Kolonialfamilien die Vorherrschaft der Zentralmacht abzuschütteln versucht. Sie hatten eine eigene Verteidigung organisiert und konnten einheimische Stämme zu Hilfe rufen. Verstärkte Unruhen in Nordchina und eine Zusammenarbeit zwischen dem Militär und den Siedlern genügten, um im Yangzi-Tal einen unabhängigen Staat zu gründen.


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Zuletzt bearbeitet am 27. November 2002.
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