Die Prinzipien des Taiji Quan

5) Yang Chengfu: "Lasse Schultern und Ellbogen sinken."

In diesem Taiji-Prinzip spiegelt sich einmal mehr der Grundgedanke des TJQ, das 'Loslassen' und Entspannen. Erst wenn die Schultergelenke gelockert sind, läßt sich die Bewegung der Arme geschmeidig und mühelos ausführen. Leider zeigt gerade dieser Körperbereich oft schwere Verspannungen, wie z.B. ein ständiges Hochziehen der Schultern in Richtung Ohren, als ob eine Schildkröte ihren Kopf in den schützenden Panzer zurückziehen möchte. Tatsächlich handelt es sich hierbei um ein 'Schreckmuster', das wir immer dann einnehmen, wenn uns etwas Angst macht oder wir verunsichert sind und nur noch mit den Schultern zucken können, weil uns nicht das Richtige einfällt. So bringen wir mit Hilfe der Schultern unsere Einstellung zum Ausdruck, indem wir sie z.B. versteifen, um jemandem 'die kalte Schulter' zu zeigen, oder sie nach vorne beugen, mit der Absicht Brust und Herz zu bedecken, woraus oft eine chronische Haltung des Selbstschutzes erwächst.

Die Schultern sind verantwortlich für die "Vermittlung zwischen den emotionalen Kräften des Rumpfes und den expressiven Elementen der Arme und Hände". Wenn wir in diesem Bereich Blockaden entwickeln, kann demnach auch die Lebenskraft nicht bis zu den Fingern gelangen. Deshalb ist es im TJQ so wichtig, die Schultern vollständig der Schwerkraft hinzugeben und, vom Eigengewicht der Arme und Hände nach unten gezogen, in natürlicher Weise sinken zu lassen. Außerdem lesen wir bei Schnittmann/Moegling: "Die Tai-Chi-Haltung im Schulterbereich ermöglicht weitgehende Entspannung der oftmals verspannten Hals- und Nackenmuskulatur durch bewußtes Absenken der Schultern."

 

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Entnommen aus: Renate Golletz, "Taiji Quan als Weg zur Selbsterkennung".
Chinalink.de Letzte Änderung: 27. Nov 02.