Chinalink.de Tee

Gongfu TeeWo immer Chinesen hingehen, der Brauch des Teetrinkens folgt auf dem Fu? Sie waren möglicherweise die ersten, die den Tee entdeckten. Wenn Sie nach Fujian oder nach Taiwan kommen, werden Sie alte Männer sehen, die in einem Tempel auf einer alten Straße zu zweit oder zu dritt zusammen sitzen. Sie werden wahrscheinlich gemütlich um einen einfachen hübschen Teetopf von der Größe einer Faust versammelt sein und jeder hält eine winzige Tasse in Händen; man unterhält sich und trinkt Tee. Dies ist die traditionelle chinesische Teezeremonie „der alten Männer“ (laoren cha). Die Methode, Tee aus kleinen Kannen und winzigen Täßchen zu trinken, geht in der Volksrepublik China leider immer mehr verloren. In Taiwan jedoch ist das Teetrinken eine Kunst (gongfu, „Kung-Fu“), die man erlernen und üben mu? Die japanische Teezeremonie ist aus den gleichen Wurzeln entstanden, wie die chinesische Kunst des Tee-trinkens. Während in Japan jedoch der zeremonielle Teil die Hauptsache ist, legt man in China mehr Wert auf den Geschmack als auf die Art und Weise des Trinkens. Tee wird genauso verkostet, wie Rotwein in Europa. Ein guter Tee kann mehr als 20-30 DM pro 100 Gramm kosten.

Die südchinesische Art Tee ist ein unentbehrlicher Teil im Leben eines Chinesen. Ein chinesisches Sprichword bezeichnet die sieben täglichen Lebensnotwendigkeiten wie folgt: Brennstoff, Reis, Öl, Salz, Sojasauce, Essig und Tee. Seit über tausend Jahren ist der Brauch des Teetrinkens in China verwurzelt. Während der mittleren Tang-Zeit (618-907) trat Lu Yu, der Ahnherr des chinesischen Tees in jungen Jahren in das buddhistische Mönchstum ein. Im Alter kehrte er dann ins weltliche Leben zurück. Später wurde er sehr bekannt durch seine Sammlung von Wissen und Erfahrungen seiner Vorgänger und Zeitgenossen über Tee - dem Tee-Klassiker Cha Jing. Dieses Werk machte das Teetrinken in ganz China populär, und vom Kaiser über den Minister bis zum Straßenhändler und Soldaten wurde der Brauch des Teetrinkens allgemein verbreitet. Auch die Nachbarländer Korea, Japan und ganz Südostasien übernahmen dieses gesunde, wohlschmeckende und belebende Getränk.

Im frühen 17. Jahrhundert führte die niederländische East India Company zum ersten Mal chinesischen Tee in Europa ein. Mitte des 17. Jahrhunderts war der Nachmittagstee zu einer Institution des britischen Adels geworden. Interessant ist, da?die zwei unterschiedlichen Ausspracheformen für „Tee“ in den Sprachen, die das chinesische Wort übernommen haben - cha und tee - ihren Ursprung in zwei verschiedenen chinesischen Dialekten haben. Länder, die einst die Teeblätter aus dem Norden Chinas importierten, wie die Türkei, Rußland und Japan, übernahmen Variationen der Ausspracheform cha, wie chay, chai oder chya. Länder, die an den südlichen Seefahrtsstraßen Chinas gelegen waren, wie Spanien, Deutschland und England, entlehnten das Wort in Form von th?/em>, Tee und tea, basierend auf der südchinesischen Ausspracheform.

Tee Ernte Tee wird aus den jungen, zarten Blättern des Teestrauches gewonnen. Die vielen Unterschiede zwischen den vielen erhältlichen Teesorten rühren von den besonderen Aufbereitungsmethoden der Blätter her. Rösten und Fermeniteren spielen in diesem Prozess die Hauptrolle. Durch das Fermentieren werden die ursprünglich dunkelgrünen Blätter rotbraun. Je länger der Fermentierungsproze? desto dunkler die Farbe. Abhängig von der Länge des Röstens und des Fermentierungsgrades entstehen Düfte von blumig über fruchtig bis zu malzig. Bis zu 30% fermentierter Tee wird bei uns als „grüner Tee“ bezeichnet. Der Aufgu?von grünen Teeblättern hat die Farbe grüner Jade bis zu gelb-grün und duftet nach frischem Gemüse. Beispiele für grüne Teesorten sind „Drachenquelle“ (longjing; benannt nach dem geichnamigen Ort bei Hangzhou) und „Frühling bei der Quelle der grünen Schneckenhäuser“ (biluo chun). Die Chinesen nennen vollständig fermentierten Tee „Roten Tee“ (hongcha), im Westen als „Schwarzer Tee“ bekannt. Er ist rotbraun und hat einen malzähnlichen Duft. Oolong oder „Schwarzer Drachen“ (wulong) ist eine halbfermentierte Sorte.

Diesen Tee gibt es nur in China. Nicht zuletzt wegen der relativ hohen Produktionskosten ist Taiwan eines der wichtigsten Anbaugebiete. Hier wird die beste Qualität für den freien Markt hergestellt. Oolong Tee gibt es leicht fermentiert, halbfermentiert und vollständig fermentiert. Leicht fermentierter Oolong, wie der taiwanische Baozhong, hat ein volles Aroma, Klarheit und eine goldene Farbe. Halbfermentierte Sorten wie „Eiserne Guanyin“ (tie Guanyin), „Narzisse“ (shuixian) und „Eisgipfel“ (dongding) haben eine braune Färbung, ein volles „reifes“ Aroma, das mehr den Geschmacksinn als den Geruchssinn anspricht, und einen leicht süßlichen Nachgeschmack. Der Aufgu?der halb bis ganz fermentierten Teeblätter des Oolongtees, wie „Weißes Haar“ (bai hao wulong; Bohea; so benannt nach den Blüten, die in den fermentierten Blättern noch als weiße Häärchen zu erkennen sind) hat eine orangerote Farbe und einen fruchtigen Duft.

Tee Ernte in Taiwan Um guten Tee zu machen, mu?besonderes Augenmerk auf Wasserqualität, Wassertemperatur, die Menge der Teeblätter und die Art des Teetopfes gelegt werden. Weiches Wasser (mit einem geringen Mineraliengehalt), ist besonders geeignet; hartes Wasser sollte unter allen Umständen gemieden werden. Die richtige Wassertemperatur ist von Tee zu Tee verschieden, für alle ganz und halb fermentierten Sorten nahe dem Siedepunkt (100?C); für die leicht fermentierten und grünen Tees sollte die bei 90?C oder darunter liegen.

Das Mengenverhältnis Teeblätter zu Wasser hängt von der verwendeten Sorte und der Art der Zubereitung ab.
Beim südchinesischen Gongfu Tee macht man es folgendermaßen: Der Teetopf sollte ein Viertel bis zu Dreiviertel mit Teeblättern gefüllt werden, je nachdem, wie eng die Blätter gerollt sind; dann wird der Topf mit Wasser aufgefüllt, kurz stehen lassen und ausgegossen. Diesen Vorgan nennt man „den Tee waschen“. Staub und sonstige unerwünschte Rückstände werden dabei entfernt. Der Tee sollte eine bis drei Minuten, je nach Sorte, ziehen. Man kann dieselben Blätter für 3-7 Aufgüsse verwenden, wobei sich die Zeit, die der Tee ziehen mu? entsprechend verlängert. Für die meisten fermentierten Tees ist ein Topf aus rotem Ton am besten geeignet. Die Größe sollte der Summe der Teetassen genau entsprechen. Idealerweise sollten die Tassen innen wei?sein, damit die Farbe des Tees voll zur Geltung kommt.

Begeisterte Teetrinker legen gewöhnlich großen Wert auf feingearbeitete Teetöpfe. In Taiwan werden heute in fast allen Haushalten kleine Teetöpfe für die Teezubereitung nach der „Gongfu“ Methode benutzt, die aus der Zeit des Ming-Kaisers Shen Zong aus dem 16. Jahrhundert stammt und seit über 400 Jahren an die folgenden Generationen weitergegeben. In einer kleinen Teekanne kann sich das Aroma und die Süße des Tees voll entfalten. Während der Ming (1368-1644) und Qing (1644-1911) Zeit waren die aus purpurrotem Ton gefertigten Teekannen aus Yixing, Provinz Jiangsu, besonders berühmt. Stücke von der Hand eines Meisters sind gesuchte Objekte. Ihr Preis wird mit Gold aufgewogen. Während die Töpfermeister in Taiwan weiter Teekannen aus purpurrotem Ton herstellen, haben sie auch eine Reihe neuer Gestaltungsformen geschaffen, die begeistert angenommen werden. Das Sammeln von Teekannen ist heute ein beliebtes Steckenpferd.

Tee ist Chinas Nationalgetränk. Tee enthält Vitamine, ätherische Öle und Fluorid. Tee ist harntreibend, gut für die Augen und erhöht die Aufmerksamkeit. Deshalb glauben die Chinesen, da?häufiges Teetrinken das Leben verlängern kann. In der Tat wurden die medizinischen Eigenschaften des Tees wissenschaftlich nachgewiesen und Tee gilt auch als Naturheilmittel.

Tee ist in Taiwan ein hochbezahltes und qualitativ hochwertiges Produkt, das für den inländischen Markt und für den Export produziert wird. In der Volksrepublik ist Tee eher ein Massenprodukt, qualitativ hochwertige Sorten findet man nur mit großer Mühe. Spezialgeschäfte für Tee machen die Kunst der Teezubereitung auf Taiwan weiter populär. Überall findet man elegante, klassisch eingerichtete Teehäuser.
In den verschiedenen Anbauregionen werden sogenannte Tee-Proben veranstaltet, die von Teebauern, Händlern und Kennern besucht werden. Die dort mit Preisen ausgezeichneten Tees ziehen dann sofort beträchtlich im Preis an. Die chinesische „Tee-Kunst“ ist eine Verbeugung vor der Natur und spiegelt die Wärme und Heiterkeit der chinesischen Tradition wieder.

 


Zuletzt geändert am 27.11.02 von Chinalink W. Odendahl