Die Pekingoper (jingju) ist die wohl ausgeprägteste Form des
chinesischen Theaters. Sie ist ein Panorama aus großer Oper, Ballett, akrobatischer
Vorführung und historischem Spiel. Die Schauspieler müssen schon als Kinder mit dem
harten Training beginnen, um die erforderlichen Körperbewegungen zu beherrschen. das
erstaunliche Handgemenge mancher Szenen mit allen möglichen alten Waffen, wobei die
Schauspieler, ohne einander wirklich zu berühren, den Eindruck einer ungeheuren tosenden
Schlacht hervorrufen, erfordert eine physische und geistige Präzision, die nur durch ein
äußerst strenges und sorgfältiges Studium erreicht werden kann.
Traditionell ist die Pekingoper ein nachmittagsfüllender Zeitvertreib und beliebter
Treffpunkt. Eine Vorstellung dauert vier bis sechs Stunden, während derer die Zuschauer
rauchen, ihren mitgebrachten Tee aus Einmachgläsern trinken, sich unterhalten, herein-
oder hinausgehen, oder lautstark Kommentare zu den Meisterleistungen der Akteure abgeben.
Die Pekingoper blickt auf über 200 Jahre Geschichte zurück und wird als
Kulturschatz gepflegt. Sie entstand, als im 55sten Jahr der Regierung Qianlong (1790) die huiban-Oper auf der
Bühne der Hauptstadt erschien und mit den kunqu, der yiyang-Oper und luantan
vereint wurde.
Nach mehr als einem halben Jahrhundert der Anpassung und Integration verschiedener
Opernarten entstand die heutige Pekingoper mit ihrem reichen Repertoire, der großen
Anzahl von Künstlern und der zahlreichen Anhängerschaft.
Die Pekingoper ist eine Synthese aus stilisiertem Ausdruck, Gesang, Dialog und Schauspiel,
vermischt mit akrobatischen Kampf- und Tanzszenen, deren Zusammenspiel eine Geschichte
erzählt und Charaktertypen darstellt.
Es gibt vier Haupt- Rollen in der Pekingoper: sheng (Mann), dan (junge
Frau), jing (Mann mit bemaltem Gesicht) und chou (Clown). Die
dargestellten Charaktere von loyal bis betrügerisch, gut oder böse werden durch ihre
Masken sofort kenntlich.
Die Musik, in die zwei Gruppen xipi und erhong klassifizierbar,
wird auf Blasinstrumenten gespielt und von Perkussions- und Saiteninstrumenten
unterstützt. Die typischen Instrumente sind die jinghu, ein zweisaitiges
Streichinstrument, die yueqin, ein viersaitiges Zupfinstrument, sanxian,
ein dreisaitiges, Zupfinstrument, suona, ein Blasinstrument, Gong, Zimbeln und
andere.
Die Kostüme der Pekingoper sind mit traditionellen Mustern handbestickt und beliebte und
wertvolle Sammlerobjekte. Die Masken sind in stundenlanger Arbeit kunstvoll geschminkt und
charakteristisch für die jeweilige Rolle.