Über die Adler-Apotheke Bensberg

 

 

platz100.gif (821 Byte) Wir Carl Theodor von Gottes Gnaden, Pfalzgraf bei Rhein, des Heiligen Römischen Reiches Erzschatzmeister und Churfürst, In Bayern, zu Jülich, Cleve und Berg, Herzog, Fürst zu Mörs, Marquis zu Bergen op Zoom, Graf zu Helden, Sponheim der Mark und Ravensperg, Herr zu Ravenstein.

Unseren Gnädigsten Gruß zuvor. Liebe Getreue. Nachdem Wir mit besonderem MißfaIlen vernommen, welcher gestallt allen von uns hierevor ergangen heilsamen Edickten und Verordnungen ohngeachtet bisher in der Medezie, Chirergie und Pfarmazie allerhand schädliche Unordnungen und höchst gefährliche Mißbräuche, anoch beybleiben, auch, daß sich Leute von allerand Ständen, Professionen und Handwerken finden welche sich zum großen Vererb, und Nachtheil unserer Unterthanen des innerlichen und äußerlichen Curirens anmassen, und dadurch die viele Menschen um ihre Gesundheit, und Wohlfart, ja sogar ums Leben bringen, als finden wir höchst nöthig daß solches eingeschlichenes Unwesen und Mißbrauch, ein für allemal abeschaffet werde, und befehlen dahero aufs ernstlichste, daß unser Consilium Medicum zur Beobachtung des Medicinalwesens genauere und bessere Beobachtung, Aufsicht haben, und zur Aufhebung angezogener Mängel, und Ungelegenheiten auf nachgeetzte Medizinalordnung und Instrucktion fest und unverbrüchlich halten solle. Wir befehlen also hierdurch, allen Unseren Land- und Stadtbeamten, wie auch Magistraten obgeachten Consilio Medico auf dessen geziemliche Requisition gebührlich an Hand zu gehen.

Düsseldorff am 8ten Junii 1773 Anstatt und von wegen Höchstgemelt Ihrer Churfürsfl. Durchlaucht. Graf von Goltstein.

Von den Apothekern. Da des Kranken Genesung und der Aerzten Ehre und guter Name mit von der Apothekern Fleiß, Wisenschaft und Treue hanget, so erfordert die Notwendigkeit, daß die Apotheker und Provisores nicht allein diese Unsere Medizinal Ordnung halten, sondern wir befehlen hiermit, daß alle und jede Apotheker und Provisores, welche sich in hiesigem Herogthümern niederlassen oder eine A ... annehmen wolle, sich den Examini Unseres Consilii Medici zuvorderst unterwerfen.

Um dieses aber thun zu können, müssen sie ihre Lehrbriefe und andere Mestata, daß sie wenigstens sechs Jahren lang als Gesellen Servitat haben, vorzeigen. Hierauf soll unser Consilium Medicum, sie in allen Teilen der Apothekerkunst genau unterweisen, allerbey Apothekerwaaren, ächte sowohl als verfälschte und veraltete zur Untersuchung vorlegen, auf selbigen in irgend einer Apotheke einen Procesum selbst machen lassen und sie darauf befundenen Umständen nach annehmen oder abweisen.

Eine der Hauptsorgen der Apotheker soll seyn, daß der Kranke keine schlechte, verfälschte oder veraltete Arzneien bekömmt. Wir befehlen alle so hiermit allen Apothekern auf das ernstlichste alle Arzneien, sie mögen Namen haben und herkommen wo sie wollen, sobald selbige ihre Kraft verlohren wegzuwerfen, und nicht mehr zu gebrauchen. Sollen nun ungeachtet dieses unseres Befehles dergleichen Sachen bey den Visitationen, vorgefunden werden, so soll der Apotheker befundenen Umständen nach, für jeden solchen Artikel mit 1, 2 bis 3 Rthlr bestraft werden, und finden sich bey der im nächsten Jahre wieder zu haltenden Visitation ein nehmilicher Umstand, so sol der Apotheker doppelt bestraft werden. Wenn ein Apotheker ein vom Arzt vorgeschriebene Arznei nicht hat, und in der Geschwindigkeit nicht bekommen kann, so soll er solches sofort dem Arzt anzeigen, im Fall er aber sich unterstände ohne Vorwissen des Arztes, der ihm mangelnden Arzney, eine andere an die Seite zu setzen, selbige mag ihm noch so unschädlich erscheinen, soll er in eine unvermeidliche

Strafe von 6 Rthlr verfallenseye. Hat dieses Surropatum nun dem Kranken offenbar Schaden geschehen, so soll er dem Befinden nach ungleich härter, allenfalls am Verlust seines Privilegie, ja selbst am Leibe bestraft werden, und damit man immer wisse wer die Arznei verfertigt hat, so soll jederzeit dessen Namen auf der Signatur stehen, welche das Recept verfertigt habe, jedoch liegt die Hauptsorge der Präparation der Arzneien dem Apotheker oder Provisor selbst auf, und bleiben selbige bey dergleichen vorkommenden Fällen immer mit responsable. Und da es zuweilen kommt, daß ein Kranker dieselbige Arzney mehrmalen gebraucht, so findet es oft, das diese Arznei nicht demselbigen Geschmack, Geruch oder Farbe hatte, als die erste und zeige dies den Mangel der Sorgfalt derjenigen an welchen so zubereiteten, weßwegen in jedem solchen Falle derjenige welcher hieran schuldig befunden wird in 2 Rthlr Strafe verfallen seyn soll.

Es bleibt den Apothekern hiedurch nicht allein alles innerliche Curiren der Menschen, es möge Namen haben, wie es wolle, bey 20 Rthir, irremisibler Strafe verboten, sondern wir befehlen ihnen hiermit auf das Ernstlichste niemalen andere in ihre Ofizinen gebrachte Recepten zu verfertigen, als welche von bekannten und approbirten Aerzten unterschrieben sind, wovon jedoch diejenigen Recepten auszunehmen sind, welche von bekannten auswärtigen, erfahrenen Medecis promotis verordnet worden, und in welchen nichts Bedenkliches und Verdächtiges enthalten ist, in welchem letzteren Falle ein jeglicher Apotheker, wenn ihm ein solches dem nächst wohnenden approbirten Medico zur Censur und Unterschrift zu schicken kann.

Dahingehend müssen die Legitimirte Recepten förmlich die genügen wo Cito unter stehet, auf das Schleunigste, es seye bei Tage oder Nacht, sowohl für Reiche als Arme bereitet und abgefertigt werden alles unter jedesmaliger Strafe von Rthlr 5.

Allen Apotheken ist unter 10 Rthlr Strafe verboten in irgend einem Ausschlage eine äußerliche Salbe zum Schmieren, ohne Vorschrift eines Arztes zu verkaufen. Auch soll der Apotheker alle verfertigte Recepten sorgfältig aufbewahren, und wenn ein Recept gefordert würde, so verlohren gegangen, der Apotheker beym ersten Falle in 1 Rthlr, beym zweyten in 3 und beym 3ten in 5 Rthlr Strafe und so weiter verfallen seye. Und da es öfters geschehen ist, daß eine Vorschrift einen Kranken von einer Krankheit genesen und dieser Kranke selbige alsdann einem mit einem ähnlichen Übel behafteten, daß aber aus einer entgegengesetzten Ursache entspringen war angerathen hatte, woraus denn nichts anders als ein großer Nachteil entspringen könnte, so befehlen wir hiemit allen Apothekern einmalen eine Copie von einem Recepte ohne Vorwisen des Arztes, so es verordnet hat, zu geben, es seye dann, daß der Kranken solches Rezept anderen Aerzten, oder allenfalls gerichtlichen Personen zur Untersuchung vorlegen wollte. Da nun zuweilen Arzneyen gegen Heun-Uebel verfertigt werden, welche Entfachung dem Kranken nachteilig seyn könnte, so haben nicht allein die Apotheker, Provisoren, gesellen und nLehrburschen hierin alle Verschwiegenheit zu beobachten, sondern sie befehlen zugleich, daß in jeder Apotheke ein Aug zugemacht werde, hinter welchem derjenige stehen und so die Recepten verfertigt und muß der apotheke keinem erlauben, auch nicht einmal einem Arzt die Vorschriften anderer Aerzte einzusehen.

Und da das Liquer und Aquavit verzapfen in Apotheken auch Unordnung geben kann, auch sich zuweilen zugetragen hat, daß dur Unbereitung jemandem schädliche Sachen gegeben sind so wollen wir solches glatterdings abgeschaft wissen, unter einer unausbleiblichen Strqafe von 10 Rthlr.

Da die Erfahrung geleht, daß der menschlichen Gesundheit durch den seitherigen Gebrauch, deren durch eine Zusatze von Bley verfertigten und und verzinnten Riech und Augengeräthe viel geschadet werden indem es bekannt, daß das Bley von allen und jeden Speisen und säuerlichen Getränken, ja selbst von Wasser ebenso als das Kupfer angegriffen und aufgelößt wird, auch sogar die Luft demselben etwas abgewinnen selbiges zerfressen und in Kalke verwandeln, hierdurch aber die Gesundheit des Menschen in zwar langsamen aber auch in unüberwindlichen Gefahren gestzt werde, so wird es hierdurch allen Apotheken allen Ernstes aufgegeben die in ihren Officinen seither gebrauchten gefäße von Zinn mit Bleyzusatz zur Verhütung allerzu besorgenden schädliche Folgen gänzlich abzuschaffen, und an deren Stelle andere aus Erde oder Porcellain seye Aucht oder Sajenne anfertigen zu lassen.

Wann sich und sowohl in dieser Sache, als als dem und vorig anbefolenem Gugitter, ein Apotheker saumselig bewiesen sollte, und solches bey einer nach Verlauf von 6 Monathen a dato der Tuplication dieser unserer gnädigsten Untersucheung alles befunden wird, so soll er eine unausbleibliche Strafe zu erwarten haben.

Die sauberen Gifte und Gift mit sich führende, auch andere gefährliche Materialien sollen von den Apothekern vorsichtig bewahrt, und anderen Arzneien nicht zu nahe gebracht werden. Weshalben dergleichen materialien jedrzeit in einem apparten verschlossenen Kästchen müssen aufbewahrt werden, und muß der Apotheker oder Provisor keinem Gesellen oder Lehrburschen den Schlässel davon anvertrauen, sondern wieder daraus nehmen will, solches selbst thun und sogleich wieder verschliessen. Auch soll ein jeder Apotheker mehrer Sicherheit halber, besonder Wagenschalen, Mörser, Siebe und Reibsteine für diese giftigen Materialien halten damit nicht aus Unachtsamkeit etwas hangen bleibe welches anderen Medicamenten beygefügt und vermischt werden können. Es haben aber die Apotheke in Verabfolgugng dergleichen giftigen Materialien ohne Schein eines Studiei auszugeben sind.

Ueberdem aber muß jeder welcher Gifte begehrt, einen mit eigener Hand geschriebenen sp...dum Apotheker übergeben lassen. Wie dann auch in dem Fall da einege Landwirthe oder Handwerker, die des Schreibens unerfahren Giftwaren verlangen sollten, und also von ihnenselbst keine Scheine zu erhalten wären, selbst Kommen und wenn sie unbekannt sind, sich durch das Gericht woher sie sind legitimitren sollen und dürfen weder derselben Gesinde, Kinder noch andere ohne Schein von ihnen abeschickte Bothen die Giftwaren verabfolgt werden. Auch befehlen wir zugleich daß der Apothekerso oft er Giftwaren verkauft, in einem besonderen hoerzu gewitmeten Buche, die Namen dieser Käufer den

Ort wo sie wohnhaft sind nebst dem Dato, da sie die Giftwaren empfangen haben und daß sie solche in Persohn geholt haben notieren.

Bey jedesmaliger Visitation sollen auf die Punkten wohl acht gegeben werden und hinführen jeder Apotheker, wen er bey etwa zutragenden Unglücksfällen, durch Mißbrauch der Giftwaren überführt werden, daß er durch seine Nachlässigkeit in Aufbehaltung oder Verabfolgung derselben zu solchen Unglücksfällen beizutragen habe mit unfehlbarer nachdrücklichen Strafe, auch der Privation seines Privilegie bestraft werden. Und da es nicht solte zuträgt, daß Hebammen, Kinderwärtherinnen, Saugamme oder auch wohl lieblose und gar zu gemächliche Mütter, wenn die Kinder etwas stark weinen selbigen gleich ein schlafmachendes Mittel aus der Apotheke haben so verbieten wir hierdurch jedem Apotheker bey 10 Rthlr. Strafe dergleichen Opiat Mittel, auch nicht einmal die gelindern als den Mohnsyrup an obgedachten Persohnen ohne Vorschrift eines Arztes ausfolgen zu lassen. Es soll sich auch mermalen ein Apotheker unterstehen einem Arzte Geschenke weder zu Neujahr noch sonsten zu geben, unter 25 Rthl Strafe, auch dürfen Visitatoren nach der Visitation keinen Wein, noch sonst eine Collation geben, bey ermeßlicher Strafe. Ebenso verbieten wir auch allen Apothekern um Neujahr in der Stadt ihren Kunden Präsente zu schicken.

Da die Menge der Apotheker nutr Gelegenheit gibt, daß diese eher veraltete Sachen sich vorfinde, so wollen wir, daß hierfür in unserer Residenz hierselbst nur drey Apotheken seye, sollen wir dann, da anj. Vin ein Privilegium haben die erste so ausstirbt eingehen soll.

Bey jedesmaliger Visitation der Apotheken, welche alljährlich geschehn muß, soll der Apotheker oder der Provisor eien Pharmazeutischen Prozess machen welcher ihm vom Direktor unseres Concil medici oder ausser unserer Residenz von dem dazu committierten Physico aufgegeben werden soll. Diesen Prozess muß er um in Gegenwart seiner Gesellen und Lehrburschen machen, und ihnen selbigen auslegen, damit man sehen könne, ob seine Gesellen und Lehrburschen die Apothekerkunst bey ihm erlernen Können.

Wo nun ausserhalb unserer Residenz die Visitation einer Apotheke gehalten wird, muß der dazu commitirter Visitator jederzeit ans Consilium medice einberichten in welchen Umständen oder Mängeln er solche Apotheke gefunden habe.

Damit nun die Apotheker ihre Officinen beständig in gutem Stande erhlten, und wegen daran jährlichs frisch anzuschaffenden Kräutern, Blumen Wurzel, Wässer, Conserven, und anderen Präparatis ohne Schaden bleiben werden können, als wollen wir sie nicht allein bey ihrem Privileg schützen, sondeern wir verordnen und befehlen zur Erreichung unserer gnädigsten Intention vgermöge welcher das ganze Medizinalwesen in eine bessere und ordentlichern Verfassung kommen solle, hiermit, daß weder die Materialisten noch sonstige Kaufleute sich keineswegs, unter welchem Vorwande es auch wolle mit dem Arzneiwesen vermenge, und den Apotheken inm Verkauf von Apothekerwaaren Eintrag thun solle und zwar unter Vermeidung fiscalischer Bestrafung

Auf daß sich auch keine mit einer Unwissenheit entschuldigen möge, so haben wir diese unsere Medizinalordnung durch den Druck zu publizieren gnädigst befohlen.

Geschehen Düsseldorf 8.Juni 1773 Die Richtigkeit beglaubigt"

 


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