Über die Adler-Apotheke Bensberg

 

 

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Artikel aus dem Bergischen Kalender
von August Haasbach 1972
über das 150 jährige Bestehen der Adler Apotheke Bensberg

Vor 1800 war es im bergischen Amt Porz kaum möglich, im Krankheitsfalle einen Arzt zu Rate zu ziehen. Allenfalls konnte man bei genügendem finanziellen Angebot einen Arzt aus dem Kölner Stadtbezirk kommen lassen. " Erst nach der Jahrhundertwende besserte sich die Situation im Gesundheitswesen im Vorfeld von Köln. Am 27. Januar 1814 erhielt Dr. Franz Brunner aus Siegburg die Konzession als sogen. Kreisphysikus im Arrondissement Mülheim, nachdem er bereits seit 1810 ärztliche Funktionen ausgeübt hatte. Es gab zur selben Zeit nur zwei Apotheken im Stadtgebiet Mülheim, während die ländlichen Gebiete ohne Arzneiverrsorgung auskommen mußten. Kein Wunder, daß die Belieferung der Dörfer Gladbach und Bensberg mit medizinischen Mitteln vollkommen unzureichend war. Oft las man in den Sterberegistern die lakonische Formel "gestorben ohne ärztliche Hilfe an Auszehrung".

Der erste Arzt, der in Bensberg eine Praxis eröffnen konnte, war Dr. Johann Daniel Hasbach, der auch sofort seinen Wirkungskreis auf die gesamten Landgemeinden ausdehnte und sich nach bestem Ermessen der Versorgung der Kranken und Armen annahm. Natürlich lag es im Interesse der Bevölkerung, am Wirkungsort eines Arztes auch eine Apotheke zu haben. Da die Hausapotheke eines Arztes sowieso nicht reichhaltig war, mußte das Landvolk oft einen weiten und beschwerlichen Weg zu den Apotheken in Mülheim machen, und mancher hätte wohl bei schnellerer Erreichbarkeit der Medizin noch vor dem sicheren Tode bewahrt werden können.

Seit der Neuordnung des preußischen Staates im Jahre 1815 wurde das Gesundheitswesen im Kreise Mülheim von einem Medizlinalkollegium in Köln betreut. Diesem empfahl nun Dr. Hasbach für seinen Bereich eine Apotheke für den Raum Bensberg. Medizinalrat Dr. Günther zu Köln gab nach eingehender Prüfung den Startschuß für eine Landapotheke in Bensberg, für die die Königliche Regierung in Köln die Konzession erteilen mußte. Diese wurde am 31. Dezember 1821 bewilligt. Zunächst gelang es noch nicht, einen geeigneten Mann dafür zu finden. Ob auch Gründe räumlicher Art dabei maßgebend waren, konnte nicht festgestellt werden. Am 1. September 1822 hat dann der aus Hennef stammende Theodor Schmitt im Bensberger Schloß die Apotheke eröffnet.

Die Apotheke wurde auf der Grundlage der Medicinalordnung des Herzogs Karl Theodor von Jülich-Cleve-Berg vom 8. Juni 1773 geführt. Dem Leser sei hier Verordnung zur Bewertung des damaligen Arzneiwesens im Originaltext zur Kenntnis gegeben, und zwar mit der dazu üblichen Einführung:

Wir Carl Theodor von Gottes Gnaden, Pfalzgraf bei Rhein, des Heiligen Römischen Reiches Erzschatzmeister und Churfürst, In Bayern, zu Jülich, Cleve und Berg, Herzog, Fürst zu Mörs, Marquis zu Bergen op Zoom, Graf zu Helden, Sponheim der Mark und Ravensperg, Herr zu Ravenstein.

Unseren Gnädigsten Gruß zuvor. Liebe Getreue. Nachdem Wir mit besonderem MißfaIlen vernommen, welcher gestallt allen von uns hierevor ergangen heilsamen Edickten und Verordnungen ohngeachtet bisher in der Medezie, Chirergie und Pfarmazie allerhand schädliche Unordnungen und höchst gefährliche Mißbräuche, anoch beybleiben, auch, daß sich Leute von allerand Ständen, Professionen und Handwerken finden welche sich zum großen Vererb, und Nachtheil unserer Unterthanen des innerlichen und äußerlichen Curirens anmassen, und dadurch die viele Menschen um ihre Gesundheit, und Wohlfart, ja sogar ums Leben bringen, als finden wir höchst nöthig daß solches eingeschlichenes Unwesen und Mißbrauch, ein für allemal abeschaffet werde, und befehlen dahero aufs ernstlichste, daß unser Consilium Medicum zur Beobachtung des Medicinalwesens genauere und bessere Beobachtung, Aufsicht haben, und zur Aufhebung angezogener Mängel, und Ungelegenheiten auf nachgeetzte Medizinalordnung und Instrucktion fest und unverbrüchlich halten solle. Wir befehlen also hierdurch, allen Unseren Land- und Stadtbeamten, wie auch Magistraten obgeachten Consilio Medico auf dessen geziemliche Requisition gebührlich an Hand zu gehen.

Düsseldorff am 8ten Junii 1773 Anstatt und von wegen Höchstgemelt Ihrer Churfürsfl. Durchlaucht. Graf von Goltstein.

Von den Apothekern. Da des Kranken Genesung und der Aerzten Ehre und guter Name mit von der Apothekern Fleiß, Wisenschaft und Treue hanget, so erfordert die Notwendigkeit, daß die Apotheker und Provisores nicht allein diese Unsere Medizinal Ordnung halten, sondern wir befehlen hiermit, daß alle und jede Apotheker und Provisores, welche sich in hiesigem Herogthümern niederlassen oder eine A ... annehmen wolle, sich den Examini Unseres Consilii Medici zuvorderst unterwerfen.

Um dieses aber thun zu können, müssen sie ihre Lehrbriefe und andere Mestata, daß sie wenigstens sechs Jahren lang als Gesellen Servitat haben, vorzeigen. Hierauf soll unser Consilium Medicum, sie in allen Teilen der Apothekerkunst genau unterweisen, allerbey Apothekerwaaren, ächte sowohl als verfälschte und veraltete zur Untersuchung vorlegen, auf selbigen in irgend einer Apotheke einen Procesum selbst machen lassen und sie darauf befundenen Umständen nach annehmen oder abweisen.

Eine der Hauptsorgen der Apotheker soll seyn, daß der Kranke keine schlechte, verfälschte oder veraltete Arzneien bekömmt. Wir befehlen alle so hiermit allen Apothekern auf das ernstlichste alle Arzneien, sie mögen Namen haben und herkommen wo sie wollen, sobald selbige ihre Kraft verlohren wegzuwerfen, und nicht mehr zu gebrauchen. Sollen nun ungeachtet dieses unseres Befehles dergleichen Sachen bey den Visitationen, vorgefunden werden, so soll der Apotheker befundenen Umständen nach, für jeden solchen Artikel mit 1, 2 bis 3 Rthlr bestraft werden, und finden sich bey der im nächsten Jahre wieder zu haltenden Visitation ein nehmilicher Umstand, so sol der Apotheker doppelt bestraft werden. Wenn ein Apotheker ein vom Arzt vorgeschriebene Arznei nicht hat, und in der Geschwindigkeit nicht bekommen kann, so soll er solches sofort dem Arzt anzeigen, im Fall er aber sich unterstände ohne Vorwissen des Arztes, der ihm mangelnden Arzney, eine andere an die Seite zu setzen, selbige mag ihm noch so unschädlich erscheinen, soll er in eine unvermeidliche

Strafe von 6 Rthlr verfallenseye. Hat dieses Surropatum nun dem Kranken offenbar Schaden geschehen, so soll er dem Befinden nach ungleich härter, allenfalls am Verlust seines Privilegie, ja selbst am Leibe bestraft werden, und damit man immer wisse wer die Arznei verfertigt hat, so soll jederzeit dessen Namen auf der Signatur stehen, welche das Recept verfertigt habe, jedoch liegt die Hauptsorge der Präparation der Arzneien dem Apotheker oder Provisor selbst auf, und bleiben selbige bey dergleichen vorkommenden Fällen immer mit responsable. Und da es zuweilen kommt, daß ein Kranker dieselbige Arzney mehrmalen gebraucht, so findet es oft, das diese Arznei nicht demselbigen Geschmack, Geruch oder Farbe hatte, als die erste und zeige dies den Mangel der Sorgfalt derjenigen an welchen so zubereiteten, weßwegen in jedem solchen Falle derjenige welcher hieran schuldig befunden wird in 2 Rthlr Strafe verfallen seyn soll.

Es bleibt den Apothekern hiedurch nicht allein alles innerliche Curiren der Menschen, es möge Namen haben, wie es wolle, bey 20 Rthir, irremisibler Strafe verboten, sondern wir befehlen ihnen hiermit auf das Ernstlichste niemalen andere in ihre Ofizinen gebrachte Recepten zu verfertigen, als welche von bekannten und approbirten Aerzten unterschrieben sind, wovon jedoch diejenigen Recepten auszunehmen sind, welche von bekannten auswärtigen, erfahrenen Medecis promotis verordnet worden, und in welchen nichts Bedenkliches und Verdächtiges enthalten ist, in welchem letzteren Falle ein jeglicher Apotheker, wenn ihm ein solches dem nächst wohnenden approbirten Medico zur Censur und Unterschrift zu schicken kann.

Dahingehend müssen die Legitimirte Recepten förmlich die genügen wo Cito unter stehet, auf das Schleunigste, es seye bei Tage oder Nacht, sowohl für Reiche als Arme bereitet und abgefertigt werden alles unter jedesmaliger Strafe von Rthlr 5.

Allen Apotheken ist unter 10 Rthlr Strafe verboten in irgend einem Ausschlage eine äußerliche Salbe zum Schmieren, ohne Vorschrift eines Arztes zu verkaufen. Auch soll der Apotheker alle verfertigte Recepten sorgfältig aufbewahren, und wenn ein Recept gefordert würde, so verlohren gegangen, der Apotheker beym ersten Falle in 1 Rthlr, beym zweyten in 3 und beym 3ten in 5 Rthlr Strafe und so weiter verfallen seye. Und da es öfters geschehen ist, daß eine Vorschrift einen Kranken von einer Krankheit genesen und dieser Kranke selbige alsdann einem mit einem ähnlichen Übel behafteten, daß aber aus einer entgegengesetzten Ursache entspringen war angerathen hatte, woraus denn nichts anders als ein großer Nachteil entspringen könnte, so befehlen wir hiemit allen Apothekern einmalen eine Copie von einem Recepte ohne Vorwisen des Arztes, so es verordnet hat, zu geben, es seye dann, daß der Kranken solches Rezept anderen Aerzten, oder allenfalls gerichtlichen Personen zur Untersuchung vorlegen wollte. Da nun zuweilen Arzneyen gegen Heun-Uebel verfertigt werden, welche Entfachung dem Kranken nachteilig seyn könnte, so haben nicht allein die Apotheker, Provisoren, gesellen und nLehrburschen hierin alle Verschwiegenheit zu beobachten, sondern sie befehlen zugleich, daß in jeder Apotheke ein Aug zugemacht werde, hinter welchem derjenige stehen und so die Recepten verfertigt und muß der apotheke keinem erlauben, auch nicht einmal einem Arzt die Vorschriften anderer Aerzte einzusehen.

Und da das Liquer und Aquavit verzapfen in Apotheken auch Unordnung geben kann, auch sich zuweilen zugetragen hat, daß dur Unbereitung jemandem schädliche Sachen gegeben sind so wollen wir solches glatterdings abgeschaft wissen, unter einer unausbleiblichen Strqafe von 10 Rthlr.

Da die Erfahrung geleht, daß der menschlichen Gesundheit durch den seitherigen Gebrauch, deren durch eine Zusatze von Bley verfertigten und und verzinnten Riech und Augengeräthe viel geschadet werden indem es bekannt, daß das Bley von allen und jeden Speisen und säuerlichen Getränken, ja selbst von Wasser ebenso als das Kupfer angegriffen und aufgelößt wird, auch sogar die Luft demselben etwas abgewinnen selbiges zerfressen und in Kalke verwandeln, hierdurch aber die Gesundheit des Menschen in zwar langsamen aber auch in unüberwindlichen Gefahren gestzt werde, so wird es hierdurch allen Apotheken allen Ernstes aufgegeben die in ihren Officinen seither gebrauchten gefäße von Zinn mit Bleyzusatz zur Verhütung allerzu besorgenden schädliche Folgen gänzlich abzuschaffen, und an deren Stelle andere aus Erde oder Porcellain seye Aucht oder Sajenne anfertigen zu lassen.

Wann sich und sowohl in dieser Sache, als als dem und vorig anbefolenem Gugitter, ein Apotheker saumselig bewiesen sollte, und solches bey einer nach Verlauf von 6 Monathen a dato der Tuplication dieser unserer gnädigsten Untersucheung alles befunden wird, so soll er eine unausbleibliche Strafe zu erwarten haben.

Die sauberen Gifte und Gift mit sich führende, auch andere gefährliche Materialien sollen von den Apothekern vorsichtig bewahrt, und anderen Arzneien nicht zu nahe gebracht werden. Weshalben dergleichen materialien jedrzeit in einem apparten verschlossenen Kästchen müssen aufbewahrt werden, und muß der Apotheker oder Provisor keinem Gesellen oder Lehrburschen den Schlässel davon anvertrauen, sondern wieder daraus nehmen will, solches selbst thun und sogleich wieder verschliessen. Auch soll ein jeder Apotheker mehrer Sicherheit halber, besonder Wagenschalen, Mörser, Siebe und Reibsteine für diese giftigen Materialien halten damit nicht aus Unachtsamkeit etwas hangen bleibe welches anderen Medicamenten beygefügt und vermischt werden können. Es haben aber die Apotheke in Verabfolgugng dergleichen giftigen Materialien ohne Schein eines Studiei auszugeben sind.

Ueberdem aber muß jeder welcher Gifte begehrt, einen mit eigener Hand geschriebenen sp...dum Apotheker übergeben lassen. Wie dann auch in dem Fall da einege Landwirthe oder Handwerker, die des Schreibens unerfahren Giftwaren verlangen sollten, und also von ihnenselbst keine Scheine zu erhalten wären, selbst Kommen und wenn sie unbekannt sind, sich durch das Gericht woher sie sind legitimitren sollen und dürfen weder derselben Gesinde, Kinder noch andere ohne Schein von ihnen abeschickte Bothen die Giftwaren verabfolgt werden. Auch befehlen wir zugleich daß der Apothekerso oft er Giftwaren verkauft, in einem besonderen hoerzu gewitmeten Buche, die Namen dieser Käufer den

Ort wo sie wohnhaft sind nebst dem Dato, da sie die Giftwaren empfangen haben und daß sie solche in Persohn geholt haben notieren.

Bey jedesmaliger Visitation sollen auf die Punkten wohl acht gegeben werden und hinführen jeder Apotheker, wen er bey etwa zutragenden Unglücksfällen, durch Mißbrauch der Giftwaren überführt werden, daß er durch seine Nachlässigkeit in Aufbehaltung oder Verabfolgung derselben zu solchen Unglücksfällen beizutragen habe mit unfehlbarer nachdrücklichen Strafe, auch der Privation seines Privilegie bestraft werden. Und da es nicht solte zuträgt, daß Hebammen, Kinderwärtherinnen, Saugamme oder auch wohl lieblose und gar zu gemächliche Mütter, wenn die Kinder etwas stark weinen selbigen gleich ein schlafmachendes Mittel aus der Apotheke haben so verbieten wir hierdurch jedem Apotheker bey 10 Rthlr. Strafe dergleichen Opiat Mittel, auch nicht einmal die gelindern als den Mohnsyrup an obgedachten Persohnen ohne Vorschrift eines Arztes ausfolgen zu lassen. Es soll sich auch mermalen ein Apotheker unterstehen einem Arzte Geschenke weder zu Neujahr noch sonsten zu geben, unter 25 Rthl Strafe, auch dürfen Visitatoren nach der Visitation keinen Wein, noch sonst eine Collation geben, bey ermeßlicher Strafe. Ebenso verbieten wir auch allen Apothekern um Neujahr in der Stadt ihren Kunden Präsente zu schicken.

Da die Menge der Apotheker nutr Gelegenheit gibt, daß diese eher veraltete Sachen sich vorfinde, so wollen wir, daß hierfür in unserer Residenz hierselbst nur drey Apotheken seye, sollen wir dann, da anj. Vin ein Privilegium haben die erste so ausstirbt eingehen soll.

Bey jedesmaliger Visitation der Apotheken, welche alljährlich geschehn muß, soll der Apotheker oder der Provisor eien Pharmazeutischen Prozess machen welcher ihm vom Direktor unseres Concil medici oder ausser unserer Residenz von dem dazu committierten Physico aufgegeben werden soll. Diesen Prozess muß er um in Gegenwart seiner Gesellen und Lehrburschen machen, und ihnen selbigen auslegen, damit man sehen könne, ob seine Gesellen und Lehrburschen die Apothekerkunst bey ihm erlernen Können.

Wo nun ausserhalb unserer Residenz die Visitation einer Apotheke gehalten wird, muß der dazu commitirter Visitator jederzeit ans Consilium medice einberichten in welchen Umständen oder Mängeln er solche Apotheke gefunden habe.

Damit nun die Apotheker ihre Officinen beständig in gutem Stande erhlten, und wegen daran jährlichs frisch anzuschaffenden Kräutern, Blumen Wurzel, Wässer, Conserven, und anderen Präparatis ohne Schaden bleiben werden können, als wollen wir sie nicht allein bey ihrem Privileg schützen, sondeern wir verordnen und befehlen zur Erreichung unserer gnädigsten Intention vgermöge welcher das ganze Medizinalwesen in eine bessere und ordentlichern Verfassung kommen solle, hiermit, daß weder die Materialisten noch sonstige Kaufleute sich keineswegs, unter welchem #Vorwande es auch wolle mit dem Arzneiwesen vermenge, und den Apotheken inm Verkauf von Apothekerwaaren Eintrag thun solle und zwar unter Vermeidung fiscalischer Bestrafung

Auf daß sich auch keine mit einer Unwissenheit entschuldigen möge, so haben wir diese unsere Medizinalordnung durch den Druck zu publizieren gnädigst befohlen.

Geschehen Düsseldorf 8.Juni 1773 Die Richtigkeit beglaubigt"

1822 wurde die Gültigkeit dieser Medizinalordnung durch den Kreisphysikus Brunner amtlich bestätigt. Über den Betrieb und die Leistungen der Apotheke geben die zu Verfügung stehenden Archivalien des Hauptstaatsarchivs Düsseldorf keine Auskunft. Die Apotheke befand sich inneinem vorspringenden Teil der Westseite des neuen Schlosses. Das Schloß wurde lange Jahre als preußisches Militärlazarett verwandt. 1837 beschloß der preussische Staat, das Gebäude in eine Kadettenanstalt umzuwandeln, wodurch größere Änderungen notwendig wurden. Dabei mußte Schmitt seine Apotheke im bisherigen Raum aufgeben. Er errichtete an der seit 1831 bestehenden Köln-Olpener Straße (heutige Hauptstraße) es jetzt noch benutzte Apothekergebäude. Nach den Feststellungen des Katasteramts Bensberg ist das Haus in die Flurkarte des Jahres 1839 eingetragen worden. Zur Tilgung seiner bei dem Hausbau entstandenen Schulden bat Schmitt die Kölner Regierung um ein Darlehen von 1 000 Talern:

„Bensberg am 14. Dezember 1844 n 1330 das lmmediatgesuch des Apothekers Schmidt um Bewilligung eines baaren Darlehns von 1 000 Talern betreffend.

An den Königlichen Landrath Herrn Schnabel in Mülheim.

Unter Rückgabe der verehrlichen Marginalverfügung vom 25. v. Mts. und deren Anlagen nebenbemerkter Gegenstand betreffend, habe ich die Ehre, Euer Hochwohleboren gehorsamst zu berichten, daß das Angebot des Apothekers Schmitt in dessen Immediat Gesuch vom 4. Oktober muß in Wahrheit bestehen, derselbe bewohnte nämlich früher einen Theil des Königlichen Schlosses hierselbst, nachdem solches jedoch zu einem Kadettenhaus umgerichtet, mußte Schmitt seine bisherige Wohnung verlassen."

Weiter heißt es, daß der Fiskus ihm einen Bauplatz billig überlassen habe. Da Schmitt nicht über ein nennenswertes Vermögen verfügte, mußte er eine Hypothek auf das neue Haus aufnehmen. Auf dem Hause und neue Haus aufnehmen. Auf dem Hause und dem angrenzenden Garten lasteten nicht weniger als 5 000 Taler Schulden, die Schmitt bei seiner großen Familie von 14 Kindern- im Alter von fünf bis 27 Jahren - kaum abtragen konnte. Von diesen 14 Kindern wohnten nur vier auswärts, davon eine 18- jährige verheiratete Tochter Christina-, Da die Kölner Regierung glaubte, der Bedürf- tigkeit des Apothekers mit einem Darlehen von 1 000 Talern nicht abhelfen zu können, bot man ihm, im alten Schloß (Domänen- besitz) für billige Miete eine Wohnung an. Dabei könne Schmitt sein neu erbautes Haus veräußern und mit dem Erlös seine Schulden begleichen. Da jedoch die Renovierung des alten Schlosses beträchtliche Mittel erforderte, nahm Schmitt von diesem Vorhaben Abstand. Jedenfalls blieb Schmitt in Besitz seines neuerbauten Anwesens.

Bereits 1837 entstand der Bensberger Apotheke Konkurrenz in Zündorf, als dort Matthias Garzen aus Eitorf eine sich schnell entwickelnde Apotheke eröffnete. Noch im Jahre 1851 versah Schmitt den Dienst in seiner Apotheke. Am 1. Feb. dieses Jahres versuchte er durch ein Gesuch die Errichtung einer Apotheke in Overath zu verhindern. Drei neue Apotheken hätten ihm (Schmitt) seit 1822 schon bedeutende Verluste zugefügt. Er wisse nicht, wie ein Apotheker "für die Folge leben kann, der rechtschaffen und ehrlich nach dem Willen des Gesetzgebers handeln soll'. Weiter gab Schmitt zu bedenken, daß die Begüterten aus seinem Apothekenbereich fast täglich nach Köln, Deutz oder Mülheim gingen und sich von dort die Medikamente mitbrächten, aber gerade Overath und Umgebung hätten ihm den meisten Gewinn eingebracht. So würde ihm die Errichtung der Apotheke zu Overath den sicheren Ruin bringen. In dem Gesuch wird auch wieder von den 14 "meist noch unversorgten Kindern" gesprochen. Bei drei seiner Kinder haben zwei preußische Könige Patenstellen übernommen. "So habe ich eben die Überzeugung, daß die gerechteste aller Regierungen, die Regierung Preussens, dieses Unheil und Unglück, welches mich und die Meinen sicher treffen, wenn eine Concession erfolgen würde, von mir und den Meinigen abgehalten wird." Mit der größten Hochachtung und dem tiefsten Respekte in die allgemein anerkannte edle Rechtlichkeit der Kölner Regierung läßt Schmitt sein Gesuch zu Ende gehen.

Die Vorstellungen des Apothekers nutzten ihm indessen nicht: Am 16. März 1853 richtete der Gemeinderat von Overath ein Dankschreiben an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz für die Erlaubnis zur Errichtung einer Apotheke. Noch im selben Jahr hat Theodor Schmitt seine Apotheke verkauft. Der neue Besitzer Gustav Willach verfügte über einen Grundbesitz von 1 Morgen, 169 Ruten und 30 Fuß. Das Grundstück trägt die Bezeichnung "im alten Schloßbungert'.

Willach war gerade im Besitz der Bensberger Apotheke, als ihm unerwartete Schwierigkeiten von der neuen Stadt Bergisch Gladbach bereitet wurden. Hier hatte Bürgermeister Herweg eine Liste namhafter Persönlichkeiten zusammengestellt, die eine Apotheke in Gladabach forderten. Sofort begann Willach mit aller Entschiedenheit, diesen Plan zu bekämpfen. Es kam zu harten Kontroversen zwischen ihm und dem Bürgermeister Herweg, die bis zum Gericht gingen. Bei Übernahme der Apotheke habe er (Willach) den Kundenkreis von Oberath verloren, und es ginge nicht an, daß er nun mit Gladbach noch mehr Kunden verliere. Diese Argumente brachte Willach auch in einem Gesuch um Ablehnung einer Apotheke in Gladbach an die Kölner Regierung vor. dieses Gesuch wurde dem Oberpräsidenten er Rheinprovinz von Pommer-Esche zur Begutachtung vorgelegt. Der Oberpräsident stellte sich zunächst auf die Seite des Apothekers in Bensberg und verlangte entsprechende Berichte, die die Eröffnung einer weiteren Apotheke im Kölner Vorgelände rechtfertigten. In einem diesbezüglichen Schreiben führte der Oberpräsident u. a. aus: „Nach dem gefälligen Berichte vom 30. April d. J. 1860 B III 893 ist anzunehmen, daß der Apotheker Willach zu Bensberg durch die Errichtung einer neuen Apotheke zu Bergisch Gladbach in seinem Geschäftsbetriebe jedenfalls eine äußerst empfindliche Einbuße erleiden würde, indem ihm die Gladbacher Apotheke mehr als den dritten Theil seines jetzigen, ohnehin schon durch die vor einigen Jahren erfolgte Conzessionierung der Apotheke zu Oberath einigermaßen geschmälerten, Kundschaft entziehen würde.'

Willach, durch dieses Schreiben ermutigt, versuchte noch einmal alles, um eine Apotheke in Gladbach zu verhindern. Er konnte aber nun den Bürgermeister Wachendorff zu Bensberg nicht mehr für seine Pläne gewinnen. Und so gab der Oberpräsident am 12. Januar 1861 die Konzession für die Gladbacher Apotheke bekannt. Damit mußte sich Willach endgültig zufrieden geben.

Offenbar hat aber die Geschäftskonkurrenz zu Bergisch Gladbach dem Bensberger Unternehmen nicht geschadet. Nach elfjähriger Tätigkeit verkaufte Willach im Jahre 1865 sein Geschäft an den gelernten Apotheker Carl Otto. In den nächsten Jahren hörte man immer häufiger den im Volksmund sich entwickelnden Begriff Otto-Apotheke. In dem im Jahre 1867 gegründeten Bensberger und Gladbacher Anzeiger veröffentlichte Paul Hilgendof eine Anzeige, nach der er am 15. November 1868 die bekannte Otto Apotheke übernommen habe. Dieser Mann beteiligte sich lebhaft am Bensberger Gemeinde- und Vereinsleben.

Im Jahre 1891 begann eine unruhige Zeit für Bensbergs Apotheke. Für zwei Jahre befand sich das Ehepaar Hofius und Therese geborene Schenk im Geschäft. Danach ist das Ehepaar Wilhelm Backs und Antoinette geborene Mangen als Eigentümer eingetragen Ein weiterer Besitzwechsel geschah 1899 mit der Übernahme durch den Apotheker Georg Bosson. 1903 erhielt die Apotheke mit Karl Hartmann einen dauerhafteren Inhaber. Man rühmte ihm neben seinen geschäftlichen Fähigkeiten einen besonderen Hang für karnevalistische Interessen nach. Er hatte bei seinem Tode am 31. Oktober 1924 nur ein Alter von 48 Jahren erreicht. Seine Frau Gerta, unterstützt durch den Provisor Hewel, führte das Geschäft bis zum Jahre 1963. Am 1. Januar dieses Jahres übernahm der seit 1959 angestellte Manfred Odendahl aus dem Kreise Bergheim die Pachtung. Nach dem Tode von Frau Hewel, verwitwete Hartmann, am 1. März 1968 erwarb Odendahl das Anwesen. Seine Apotheke ist heute allen modernen Anforderungen gewachsen - sie kann sich zur Feier des hundertfünfzigjährigen Bestehens auf eine solide und zukunftssichere Grundlage stützen.

Von August Haasbach, Rheinisch Bergischer Kalender 1972

 


Impressum | Zuletzt bearbeitet: 04.12.2014.